„Neue Krankheitslast, alte Antworten? Gesundheit in Afrika im Wandel“
Die beiden Mediziner Michael Rabbow und Lutz Hennings blicken auf den afrikanischen Gesundheitssektor und berichten über eigenen Erfahrungen vor Ort.
Zum Thema des Abends:
Der Vortrag des Abends lautet: „Neue Krankheiten, alte Antworten? Gesundheit in Afrika im Wandel“.
Michael Rabbow eröffnet den Abend mit einer kritischen Perspektive auf den europäischen Blick auf Gesundheit in Afrika. Im Zentrum steht die Frage, ob die Prioritäten internationaler Zusammenarbeit noch den tatsächlichen Herausforderungen vor Ort entsprechen.
Auf Grundlage seiner über 40-jährigen Erfahrung zeigt er, dass sich die Krankheitslast deutlich verschoben hat: Bereits heute entfallen in vielen afrikanischen Ländern rund 30–40 Prozent der Todesfälle auf nicht übertragbare Erkrankungen (Non-Communicable Diseases), die in Wahrnehmung und Finanzierung weiterhin oft nachrangig bleiben. Zugleich geraten Gesundheitssysteme durch globale Krisen zusätzlich unter Druck.
Vor diesem Hintergrund beleuchtet er auch die Rolle internationaler Organisationen und die Veränderungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Die zentrale Frage lautet: Entsprechen die bestehenden Ansätze noch den Erwartungen und Bedarfen afrikanischer Partner?
An diese Einordnung knüpft Lutz Hennings an und vertieft die Perspektive anhand nicht übertragbarer Erkrankungen. Am Beispiel von Bluthochdruck zeigt er deren wachsende gesundheitliche und sozioökonomische Bedeutung.
Dabei wird deutlich: Entscheidend ist nicht, ob internationale Unterstützung stattfindet, sondern ob sie die richtigen gesundheitlichen Prioritäten setzt. Ergänzend stellt Dr. Hennings konkrete Praxisbeispiele vor – darunter Programme zur Früherkennung und Behandlung von Bluthochdruck im Rahmen eines Engagements in Bangladesch sowie ein aktuelles Projekt zur Verbesserung der Versorgung chronischer Erkrankungen in Zusammenarbeit mit Boehringer Ingelheim in Kenia.
Zu den Referenten des Abends:
Michael Rabbow ist Arzt für Allgemeinmedizin mit einem Masterabschluss in Community Health und verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung in der internationalen Gesundheitsarbeit mit Schwerpunkt Afrika. In Namibia war er im Gesundheitsministerium unter anderem für Programme der Primärversorgung sowie für die nationale HIV/AIDS-Strategie verantwortlich.
Später leitete er bei Boehringer Ingelheim internationale Gesundheitsprogramme in Entwicklungs- und Schwellenländern und arbeitete eng mit Regierungen und internationalen Organisationen zusammen.
Heute ist er freiberuflich tätig und berät zu Fragen der globalen Gesundheit und zur Entwicklung von Gesundheitssystemen in Afrika. Er engagiert sich unter anderem als Botschafter der German Health Alliance sowie im Beirat des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.
Er ist Autor des Buches „Was soll aus diesem Land werden? – Von Namibia in die internationale Gesundheits- und Entwicklungspolitik“, in dem er seine langjährigen Erfahrungen reflektiert. Für sein Engagement wurde ihm 2016 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Lutz Hennings ist Facharzt für Nephrologie und seit über 20 Jahren im Nierenzentrum Lübeck tätig. Neben seiner klinischen Arbeit engagiert er sich seit vielen Jahren in internationalen Gesundheitsprojekten, insbesondere in Afrika und Bangladesch, wo er Programme zur Früherkennung und Behandlung von Bluthochdruck aufgebaut, medizinisches Personal geschult und zur Ausbildung von Pflegekräften beigetragen hat.
Als Gründer und Vorstand des Vereins VHB e. V. setzt er sich für die Prävention chronischer Erkrankungen ein und ist auch in weiteren Ländern aktiv. In Bangladesch initiierte er unter anderem groß angelegte Screening-Programme mit über 100.000 Blutdruckmessungen in ländlichen Regionen sowie Ausbildungsprogramme für Ärzte und Community Health Assistants.
Für sein langjähriges Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Zudem steht seine Arbeit seit 2019 unter der Schirmherrschaft der Deutschen Hochdruckliga e. V. Sein internationales Engagement wurde mehrfach gewürdigt, unter anderem durch Auszeichnungen in Bangladesch sowie durch den Posterpreis der Deutschen Hochdruckliga.
Der darauf folgende Veranstaltungstermin ist im September 2026.
Ort der Veranstaltung:
Baseler Hof, Esplanade 11, 20354 Hamburg
Ablauf:
Der Vortrag beginnt um 18 Uhr. Im Anschluss an Vortrag und Diskussion findet ab ca. 19.45 Uhr ein gemeinsames Essen statt.
Anmeldung:
Wenn Sie sich für eine Teilnahme an einer Veranstaltung interessieren, melden Sie sich gerne als Gast unter der folgenden E-Mail an: tom.pause@focus-africa.de.
Die Teilnahme ist für Nicht-Mitglieder nur nach einer bestätigten Anmeldung möglich.